Verfasst von: Joe | 17/10/2010

Women in Action(reloaded)

Vier Wochen sind nun schon seit unserer Wiederkehr vergangen und der graue Alltag in good old Germany hat uns wieder eingeholt: Arbeit, Studium und Ausbildung prägen unser Tagesgeschehen. Ach, wie schön war es doch auf dem großen “dunklen” Kontinent. Natürlich sind wir fleißig dabei eine kleine Fotopräsentation zu erarbeiten, die wir Euch an einem nasskalten stürmischen Herbst-oder Winterabend mal vorführen werden. Aber Gutding will Weile haben. Also es dauert noch ein kleines Weilchen.

In langsamen, aber unaufhaltbaren Schritten neigt sich auch dieses Jahr dem Ende entgegen und bevor man sich versieht, steckt man im vorweihnachtlichen Stress. Bekanntlich ist die Weihnachtszeit die Zeit der Nächstenliebe und wir werden wieder mit dutzenden Spendengalas im Fernsehen überhäuft, um unser Gewissen mit kleinen Geldspenden zu erleichtern :-) .

Ein kleines Projekt das wir beiden Afrikareisenden kennen gelernt und euch vorgestellt haben, war Women in Action in Arusha, Tansania. Mit aufopferungsvoller Arbeit versuchen dort Elizabeth Mosha und ihre Kollegen an vielen Fronten zu kämpfen: sei es für die Aidsprävention, für Schulbetreuung oder für die Vermittlung von Waisenkinder an Adoptivfamilien.

Wir würden uns jedenfalls wünschen, wenn vielleicht der ein oder andere Eurone (es muss ja nicht viel sein) diesem Projekt gespendet werden würde. Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass auch nur eine kleine Spende sehr hilfreich für dieses Projekt ist. Und im Gegensatz zu großen Organisationen würde die Spende dort direkt hingelangen. Also überlegt es euch…

Wer mehr erfahren möchte kann sich ja mal hierher durchklicken:

http://wiatanzania.org/

Und hier sind auf jeden Fall einmal die Bankdaten:

BANK: CRDB BANK LIMITED
BRANCH: ARUSHA 05, TANZANIA
ACCOUNT NAME: WOMEN IN ACTION (OWIA)
ACCOUNT NUMBER: O1J2034004901
OWIA ADDRESS: PO BOX 1265 ARUSHA
SWIFTCODE: CORUTZTZ

Liebe Grüße

Katharina und Johannes

Verfasst von: Joe | 15/09/2010

Nkosi Sikelel’ iAfrika

Jetzt ist es vorbei. Die grosse Afrikareise ist zu Ende. Drei Monate sind wie im Flug und viel zu schnell vergangenen. In Kuerze wird der Airbus auf die Startbahn rollen und dann gehts quer ueber den afrikanischen Kontinent mit erneutem Zwischenstopp in der Oase Dubai gen Deutschland.

Was bleibt nun haften?

Von den gruenen Huegeln Ruandas, ueber die artenreiche Savanne Tansanias mit seinen Elefanten und seinen, aus einem Maerchen stammenden Baobabs; von den wunderschoenen Sandstraenden Mosambiks ueber die maechtigen Drakensberge bis hin zum atemberaubenden Ausblick auf dem Tafelberg – der afrikanische Kontinent ist ein faszinierender und wunderschoener Kontinent mit freundlichen, hilfsbereiten und gastfreundlichen Menschen.

Gleichzeitig ist Afrika auch ein Erdteil der krassen Gegensaetze: neben tiefster Armut, vor der man natuerlich nicht die Augen verschliessen darf, der Aidspandemie und Malaria die hier mehr Menschenleben als sonst auf der Welt fordern, findet man auch bluehenden Wohlstand mit teuren Wohngegenden, Luxusautos und dergleichen mehr. Die Republik Suedafrika ist ein Mikrokosmos von allem, was wir in Afrika erlebt haben.

Bitte stellt uns nicht die Frage, wo es uns am Besten gefallen hat. Diese Frage koennen wir nicht beantworten. Jedes Land, jede Region hat ihren eigenen Zauber und lohnt sich zu entdecken und dort Erfahrungen zu machen.

Allein die vielen abenteuerlichen Busreisen in Tansania sind eine Erfahrung Wert gewesen. Wir haben die kleinen Dinge des Lebens schaetzen gelernt, wie Beinfreiheit und Toiletten in Bussen, geteerte Strassen und vieles Anderes mehr, was mir im Moment nicht einfallen mag. Gleichzeitig haben wir auch gelernt manche Sachen entspannter und gelassener anzugehen. Wenn der Bus halt ne Panne hatte, dann half kein Lamentieren, sondern warten. Manche Dinge klaeren sich auch ohne Hektik und Beschweren.

Afrika ist trotz seiner vielen Probleme kein gescheiterter Kontinent. Im Gegenteil er verdient mehr unserer Achtung. Was wurde nicht alles vor der WM in deutschen Medien ueber die schlechte Infrastruktur, die Kriminalitaet etc. berichtet und dann hat es Suedafrika doch allen bewiesen das es ging und es ging gut.

Wir wuerden uns wuenschen, wenn alle die, die unseren Blog verfolgt haben und oft so lustig kommentiert haben, nun auch Afrika ein wenig anders sehen. Es geht nicht darum dass man hier die Augen vor der harten Realitaet verschliesst, aber es ist auch alles nicht so schlecht, wie wir es immer wahrnehmen oder auch wahrnehmen wollen. Afrika hat die Menschen, die Kraft und das Potenzial  sich selbst zu helfen. Dabei sollten wir es unterstuetzen.

Katharina und Johannes

“Dieser Kontinent ist zu gross, als dass man ihn beschreiben koennte. Er ist ein regelrechter Ozean, ein eigener Planet, ein vielfaeltiger reicher Kosmos. Wir sprechen nur der Einfachheit, der Bequemlichkeit halber von Afrika. In Wirklichkeit gibt es dieses Afrika nicht, ausser als geographischen Begriff “

Ryszard Kapuscinski

Verfasst von: Joe | 14/09/2010

Auf dem Tafelberg

Es gibt nur wenige Orte auf dieser Welt bei denen die Zeit irgendwie stehen zu bleiben scheint, wenn man sie besucht. Einer dieser Orte ist auf jeden Fall das Hochplateau des Tafelberges, von den man einem atemberaubenden Ausblick auf die Stadt, die Kaphalbinsel und den Atlantik hat. Die sich brechenden Wellen und deren Schaumkronen sehen von fast 1100 Meter Hoehe wie Zuckerguss aus der sich in den Atlantik ergiesst. Ganze Tage und Wochen koennten wir auf diesem fast drei Kilometer langen, aus Sandstein bestehenden Hochplateau verbringen, so schoen ist es hier. Auch der happige Preis fuer die Seilbahn, die in vier Minuten von der Talstation bis hier hochschwebt, ist vergessen. Manche Dinge kann man eben nicht mit Geld aufwerten und dazu gehoert ein Besuch auf dem Tafelberg.

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Verfasst von: Kat | 14/09/2010

Boulders Beach

Nachdem wir die beiden vergangenen Tage sowohl in Kuilsriver, als auch in der City mit Einkaufen verbracht haben, sind wir heute mit dem Zug nach Simon’s Town auf die Kaphalbinsel gefahren. Die Strecke ist besonders empfehlenswert, da der Zug direkt am Wasser lang faehrt und zwar so nah, dass wir uns einig sind, dass bei Hochwasser oder Sturmflut wohl eher kein Zugverkehr stattfindet, da die Gleise sonst unter Wasser staenden. Von Simon’s Town geht es dann zu Fuss aus zum Boulders Beach, der fuer seine Pinguinkolonie beruehmt ist.
Wir bleiben gute anderhalb Stunden vor Ort und schauen voller Freude den Fracktraegern bei ihrem Treiben zu. Viele der Ricos und Kowalskis liegen einfach nur faul da. (Die Namen stammen aus dem Film ‘Madagaskar’, in dem 4 Pinguine fuer Stimmung sorgen. Hier haben sie uebrings eine eigene Serie fuer die Vier, die wir jeden Abend voller Freude geniessen!) Besonders amuesant ist es immer wenn die Voegel zum Wasser laufen und als ob es ihnen zu kalt waere, vom Wasser zurueckschrecken, wenn es ihre kleinen Fuesschen umspuelt.

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Nach dem Verweilen fahren wir nicht direkt zurueck nach Kapstadt, sondern steigen in St. James aus dem Zug und laufen bis Muizenberg am Strand entlang. Der “St. James – Muizenberg Trail” verlaeuft direkt am Wasser und wir muessen uns schon etwas sputen, damit wir nicht von den sich brechenden Wellen nass gespritzt werden… Vom alterwuerdigen kleinen Bahnhof Muizenberg geht es dann langsam zurueck nach Kuilsriver.

Verfasst von: Joe | 13/09/2010

Robben Island

Nur 11 Kilometer vor den Toren Kapstadts liegt sie in den unruhigen Gewaessern des Atlantik, Robben Island. Wohl kaum ein anderer Ort in Suedafrika symbolisiert den Kampf gegen das Apartheidregime so deutlich, wie dieses kleine Eiland. Mehrere Jahrzehnte befand sich auf der Insel ein Hochsicherheitsgefaengnis fuer die Hauptregimekritiker der Apartheid. Menschen wie Nelson Mandela, Walter Sisulu, Robert Sibukwe aber auch viele andere eher unbekannte Insassen mussten hier mitunter mehrere Jahrzehnte unter erbaermlichen Bedingungen , Folterungenund mit harten Entbehrungen leben. Ein Brief durften sie alle drei Monate schreiben und bekommen, alle sechs Monate durftn sie ein Familienmitglied fuer eine halbe Stunde unter der Aufsicht der Waerter besuchen. Mehr hat man diesen einfachen Menschen, die sich gegen ein Unrechtsregime aufgelehnt hatten nicht zugestanden. Wie haben es diese Menschen nur geschafft diese Entbehrungen zu ueberleben? Was fuer eine innere Kraft muessen sie gehabt haben nicht in einen tiefen Hass zu versinken und im Gegenzug sich fuer eine Versoehnung mit dem Staat und seiner Gesellschaft auszusprechen?

Wir erreichen die ehemalige niederlaendische Leprakolonie am vergangenen Dienstag ueber den Seeweg mit dem Katamaran. Die gute Nachricht vorweg: dieses Mal bin ich nicht seekrank geworden. Auf Robben Island wird man von ehemaligen Haeftlingen ueber die Insel und durch das Gefaengnis gefuehrt. Natuerlich ist es hier voll, Massenabfertigung halt. Unser Fuehrer, der uns die Insel zeigt ist ein lustiger und amuesanter Zeitgenosse. Zu allen Teilnehmern und ihren Laendern weiss er einen Witz zu erzaehlen und versucht die verschiedenen internationalen Einfluesse auf dem Eiland zu zeigen. Einer seiner Witze: Warum werden die Inder nie ein Fussballspiel gewinnen koennen? Antwort: Weil sie immer, wenn sie eine Ecke haben, einen Laden eroeffnen wollen.

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Nach einer guten Stunde des Herumfahrens auf der Insel, besuchen wir dann mit einem anderen Haeftling den Gefaengnistrakt. Kalte, lange und dunkle Flure. Monotonie, kaum Intimsphaere. Das Essen unzureichend und geschlafen wurde auf zwei Strohmatten. In vielen Zellen kann man auf kurzen Tafeln die Lebensgeschichte und die Aufenthaltsdauer der Insassen nachlesen. Abschliessend erreichen wir den Trakt in der sich auch die Zelle von Haeftling 466/64-Nelson Mandela befand. Sie gleicht haargenau den anderen Zellen. Waehrend wir beide uns gedankenverloren die anderen Zellen betrachten, draengen sich die anderen unserer Reisegruppe um diese kleine Zelle, holen ihre digitalen Spiegelreflexkameras mit noch groesserem Teleobjektiv heraus und “schlagen” sich um die beste Position. Das ist irgendwie sureal und passt einfach nicht an diesen Ort.

18 lange Jahre hat Mandela diese Zelle nicht verlassen duerfen. Nicht einmal zur Beerdigung seines eigenen Sohnes. Und nochmal fragen wir uns an dieser Stelle, woher seine Kraft gekommen ist diese duesteren Jahre ohne Hass auf die Menschen zu ueberstehen???

Nach drei Stunden auf Robben Island geht es wieder zurueck nach Kapstadt und von dort im rappelvollen Zug nach Kuilsrivier. Noch einmal werden wir Zeuge der afrikanischen “Fortbewegungskreativitaet”. Da alles voll ist, aber auch noch viele mitwollen, sind die Tueren des Zuges die ganze Zeit geoeffnet. Die Menschen haengen sich an die Tueren-also was wir als S-Bahn-Surfen bezeichnen wuerden-oder sie draengen sich auf den Anhaengerkupplungen zwischen den Abteilwagen zusammen. Natuerlich ist das alles verboten, aber es stoert eh keinen. Wir sind jedenfalls sehr froh aus dieser Legebatterie am Ende unseres langen Tages herauszukommen.

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